Sie kam, sprang und - packte ein: Auch wenn die deutschen Fans bei der Heim-EM in Berlin gerne mehr Sprünge von Malaika gesehen hätten, die Athletin des TSV Oftersheim beließ es bei einem kurzen Auftritt. Als einzige der 27 Weitspringerinnen schaffte sie es bereits im ersten Versuch, die geforderte Qualifikationsweite von 6,67 Metern zu überbieten. Allerdings verschenkte sie bei diesem kontrollierten Versuch ohne Brett mehr als 20 Zentimeter. Ihre 6,71 Meter bedeuteten am Ende Rang 3 in der Qualifikation.

Die Weltranglistenzweite wurde damit ihrer Rolle als Anwärterin auf einen Podiumsplatz gerecht. Keine schlechte Ausgangslage für das Finale der zwölf besten besten Weitspringerinnen Europas am Samstag, in dem Malaika gerne zum dritten Male in Folge in den Endkampf einziehen würde.

Für gewöhnlich sind Leichtathleten ja dafür bekannt, dass sie bei Wind und Wetter auf dem Platz stehen und jeglichen Witterungsbedingungen trotzen. Doch bei Temperaturen nahe der 40 Grad, wie sie am vergangenen Wochenende herrschten, kommen selbst die robustesten Sportler an ihre Grenzen. Da allerdings die Bedingungen bei den Süddeutschen Meisterschaften der Altersklassen U23/U16 im wunderschönen Walldorfer Stadion für alle Teilnehmer gleich waren, waren meist diejenigen vorne mit dabei, die neben Talent auch die besten Tricks zur Abkühlung im Petto hatten.

Bei ihrem letzten Wettkampf am Ende einer erfolgreichen Saison durfte sich Anna Schumacher gleich über zwei Platzierungen auf dem Podium freuen. Über die 400m ging die 19-Jährige ihr Rennen mutig an und kam somit als erste auf die Zielgerade, musste jedoch auf den letzten 50m ihrem schnellen Anfangstempo Tribut zollen und spürte den Atem ihrer Mitstreiterinnen bereits im Nacken. Doch dank ihres Stehvermögens von der 800m Distanz, ihrer eigentlichen Paradedisziplin, kämpfte Anna sich ins Ziel und gewann in einer tollen Zeit von 56,77 sek die Goldmedaille. Am Tag darauf stand die gleiche Strecke nochmals für sie auf dem Plan, diesmal jedoch gemeinsam mit Anne Braun, Denise Grashof und Maike Braun in der 4x400m Staffel. Eine Medaille fest im Blick, liefen alle vier Mädels ein beherztes Rennen und zeigten, dass die LG Kurpfalz nicht nur schnelle Einzelathleten, sondern auch im Team einiges zu bieten hat. Zwar war die Staffel aus Mainz von Beginn an auf und davon, die übrigen Mannschaften lieferten sich jedoch ein enges Rennen mit ständigen Positionswechseln, welches die LG Kurpfalz am Ende für sich entscheiden konnte und in 3:58,79 min Silber gewann.

Auch Anne Braun war am Vortag bereits bei der U23 über die 400m Hürden hochgestartet und hatte somit ein Rennen in den Beinen. Eine Woche nach ihrem Saisonhöhepunkt bei den Deutschen Jugendmeisterschaften in Rostock, wo sie einen grandiosen 7. Platz im Finale erreichte, lief sie an diesem Tag auch bei den Älteren ganz vorne mit und wurde in 63,74 sek fünfte. Dieselbe Platzierung erreichte ebenfalls der 15-jährige Kim-Lukas Koloska über die 300m Hürden. Bei seiner Generalprobe vor den Deutschen Meisterschaften der U16 rannte er eine starke Zeit von 44,28 sek und zeigte eindrucksvoll, dass er bereit für seine ersten nationalen Titelkämpfe ist. Abgerundet wurde dieses tolle Ergebnis von Isabelle Sturm im Kugelstoßen sowie im Diskus. In beiden Disziplinen belegte die 19-Jährige den 8. Platz in der Endabrechnung und verabschiedete sich mit Weiten von jeweils 11,78m im Kugel und 39,67m im Diskus in die Sommerpause.

Für die meisten Athleten der LG Kurpfalz ging mit dieser Meisterschaft auch die Saison 2018 zu Ende. Es beginnt nun die von allen heißersehnte „Off-Season“, bevor Mitte September die Vorbereitungen für das neue Jahr starten werden. An dieser Stelle geht ein großer Dank an all die vielen Trainerinnen und Trainer, die das gesamte Jahr unzählige Stunden auf und neben dem Sportplatz damit verbringen, ihren Schützlingen optimale Trainingsbedingungen zu bieten und sie zu fördern. Im Namen aller Sportler daher: Ein großes Dankeschön an Euch ALLE und auf eine erfolgreiche neue Saison!

Maike Braun

Die Badischen Einzelmeisterschaften in Schutterwald am vergangenen Wochenende standen für die Leichtathleten der LG Kurpfalz unter einem guten Stern. Insgesamt holten sie drei Medaillen und lieferten durch die Bank weg tollen Einzelleistungen ab. Allen voran sind Kim-Lukas Koloska (M15) und Sophie Knapp (W14) zu nennen. Kim-Lukas sicherte sich zuerst mit der Einstellung seiner persönlichen Bestleistung von 3,00 m die Silbermedaille im Stabhochsprung, wenig später gelang ihm gleiches über die 300m Hürden. Doch der Vizetitel war in dieser Disziplin noch nicht alles. Mit seiner Leistung von 43,40 Sekunden unterbot er die Norm für die Deutschen U16 Meisterschaften und darf sich nun im August in Bochum-Wattenscheid mit den schnellsten Läufern Deutschlands messen. Der ein Jahr jüngeren Sophie Knapp gelang im Weitsprung gar der ganz große Coup. Mit starken 5,01 m knackte sie nicht nur seit langem zum ersten mal wieder die magische fünf Meter Marke, sondern sicherte sich zugleich den Badischen Meistertitel. Im 100 m Sprint wurde sie zudem in 13,14 sek Vierte. Gemeinsam mit Greta Ziegler, Maike Deckert und Emma Volland rannte Sophie am Ende des Tages noch die 4x100m Staffel, wo die Mädels zeigte, was alles an Power in ihren Beinen steckt und in 51,83 sek den 6. Platz belegten. Maike wurde zudem tolle Vierte im Kugelstoßen mit 10,37 m, sodass die LG Kurpfalz am Ende des Wettkampftages auf sechs Spitzenplatzierungen unter den Top 6 zurückblicken darf.

Maike Braun

Die erfolgreichen Staffel-Mädels
Die erfolgreichen Staffel-Mädels

Für die einen stellen die Deutschen Meisterschaften dieses Jahr den Höhepunkt der Saison dar, für den anderen sind sie der letzte Test bevor es bei der Europameisterschaft zum internationalen Kräftemessen kommt. Letzteres trifft auf die Oftersheimer Ausnahmeathletin Malaika Mihambo zu. Mit einer persönlichen Bestleistung von 6,99m, gesprungen am Anfang dieser Saison, stehen die Chancen auf eine Medaille in Berlin gut, jedoch musste für diese Chance noch eine Leistung erbracht werden: Einen Platz unter den ersten Drei bei den Deutschen Meisterschaften.

Dieses Ziel fest im Blick, reiste Malaika gemeinsam mit ihren Trainern Ralf Weber und Sören Eisenhofer am vergangenen Wochenende nach Nürnberg, wo die nationalen Titelkämpfe ausgetragen werden sollten. Zunächst tat die 24-Jährige sich jedoch schwer, in den Wettkampf zu kommen. Mit Weiten von 6,47m bis 6,57m konnte sie zwar sicher einen Platz unter den vorläufigen Top Acht belegen und somit in das Finale einziehen, für die Spitze reichte dies jedoch noch nicht. Alexandra Wester (Köln) und Julia Gerter (Frankfurt) hatten mit Weiten jenseits der 6,60m vorgelegt, sodass Malaika, wollte sie hier gewinnen, nun unter Zugzwang war. Doch dass die Oftersheimerin mit solchen Drucksituationen umgehen kann und ihre Coolness und Erfahrung auszuspielen vermag, bewies sie in ihrem vorletzten Versuch. Mit starken 6,72m setzte sie sich verdient an die Spitze des Feldes, von wo sie auch bis zum Ende nicht mehr verdrängt wurde, sodass sie sich von nun an Deutsche Meisterin 2018 nennen darf. Die kurze Schrecksekunde nach ihrem letzten Versuch, als sie sich mit einem schmerzverzerrten Gesichtsausdruck an die Wade fasste, stellte sich im nachhinein glücklicherweise lediglich als gemeiner Krampf heraus, sodass der Mission Berlin von nun an nichts mehr im Wege steht.

Doch Malaika war nicht die einzige Starterin der LG Kurpfalz an diesem Wochenende, denn geballte Frauenpower zeigten auch Clara Wollschläger, Anne Braun, Jennifer Matern und Anna Schumacher in der 4x400m Staffel. Alle vier liefen sie in einem extrem starken Teilnehmerfeld ein herausragendes Rennen, begeisterten durch Kampfgeist und Stehvermögen, sodass sie am Ende ihre eigene Bestzeit um vier Sekunden verbesserten und in 3:48,12 min den 8. Platz belegten. Wir erinnern uns zurück: Mit dieser Zeit hätten die 16 bis 19-jährigen Mädels bei den Deutschen U23 Meisterschaften die Silbermedaille gewonnen!

Diese tollen Ergebnisse des Wochenendes zeigen, dass die LG Kurpfalz sowohl etablierte Medaillenkandidaten als auch talentierte Nachwuchsathleten in ihren Reihen hat, die sicher auch in den nächsten Wochen und Jahren weiterhin tolle Erfolge einholen werden. So werden vor den Europameisterschaften in Berlin Anne Braun, Clara Wollschläger und Kim-Lukas Koloska in den folgenden Wochen bei den Deutschen Schüler- und Jugendmeisterschaften an den Start gehen und mit tollen Aussichten auf Erfolge die Oftersheimer Fahne hochhalten.

Maike Braun

Mit ihrem Sprung auf 6,99 Meter Ende Mai katapultierte sich Malaika Mihambo im Weitsprung an die Spitze der Weltjahresbestenliste. Nur die Britin Lorraine Ugen konnte diese Weite letzte Woche toppen (7,05m). Bei ihrem Sieg beim Diamond League Meeting in Lausanne (Bild) allerdings konnte Malaika mit 6,90 Metern nicht nur die Führende der Weltrangliste, sondern auch die amtierende Europameisterin und Hallenweltmeisterin, die Serbin Ivana Spanovic, hinter sich lassen.

 „Es ist zwar schön, als erste deutsche Weitspringerin ein Diamond League Meeting zu gewinnen, aber meine Ziele sind natürlich andere.“ meinte die 24jährige Oftersheimerin dazu nüchtern. „Ich möchte an die Saison 2016 anknüpfen, als ich mit dem deutschen Meistertitel, Bronze bei der EM und als Vierte bei den Olympischen Spielen mein bislang erfolgreichstes Jahr hatte.“

Die Weichen dafür sind gestellt und der Blick ist bereits auf den 22. Juli in Nürnberg gerichtet, wenn der deutsche Meistertitel vergeben wird. Der eigentliche Saisonhöhepunkt ist aber ein anderer: die Heim-EM in Berlin.

Die Norm von 6,60 Metern hat Malaika Ende Mai mit 6,99 Metern deutlich übertroffen. Letzte Woche wurde die Athletin des TSV Oftersheim vorzeitig für die Europameisterschaften nominiert. Damit sollen sich die überragenden Athleten in einer Disziplin konzentriert auf den Jahreshöhepunkt vorbereiten können und nicht den Fokus auf die davor stattfindenden deutschen Meisterschaften richten müssen, die in der Regel zuletzt über die Nominierung entschieden haben.

Für Trainer Ralf Weber war die frühzeitige Nominierung nicht überraschend: „Malaika ist seit Jahren die beste deutsche Weitspringerin, wie sie mehrfach international nachgewiesen hat. Momentan ist sie nicht nur in Europa, sondern auch in der Welt die zweitbeste Weite gesprungen. Da war das die logische Konsequenz. Leider sind nicht alle Entscheidungen des Verbandes so nachvollziehbar.“ Damit spielt Weber auf die Tatsache an, dass der Leichtathletikverband Malaika für den Zeitraum 2017/18 nicht in die höchste Förderstufe „Olympiakader“, sondern nur in den „Perspektivkader“ einstufte, angeblich wegen der DOSB-Reform. Damit einher ging eine deutliche Kürzung der finanziellen Förderung. „Malaika hat 2014 den Europacup gewonnen und landete im selben Jahr auf Platz 4 bei der EM in Zürich, erreichte dann 2015 Platz 6 bei der WM in Peking. Bei der EM 2016 in Amsterdam holte sie Bronze und wurde im selben Jahr Vierte bei den Olympischen Spielen in Rio.“ zählt der Trainer die Erfolge seines Schützlings der letzten Jahre auf. „Dann hatte sie sich im Januar 2017 ein Knochenödem zugezogen, als sie daheim von einer Treppe abrutschte. Die Saison war nach monatelanger Pause natürlich gelaufen. Trotzdem versuchte sie alles und kam immerhin noch auf beachtliche 6,62 Meter und Platz drei bei der DM. Dass der DLV sie dann am Ende des Jahres sofort im Kaderstatus abstufte, nachdem sie nur ein Jahr - nachweislich verletzungsbedingt - nicht stärker in Erscheinung treten konnte, war für mich eine herbe Enttäuschung“ erzählt Weber. „Diese Entscheidung ließ mich schon ein wenig am System und den Verantwortlichen zweifeln.“ Die Trotzreaktion ließ nicht lange auf sich warten: bereits in der Halle wurde Mali deutsche Meisterin und fünfte bei der Hallen-WM 2018 in Birmingham. Am Kaderstatus änderte der DLV aber nichts. „Die frühzeitige Nominierung heißt auch: man traut Mali einen Medaillenrang zu. Das konnte man die letzten Jahre aber auch immer, gesund musste sie dafür natürlich schon sein.“ ist Weber noch sichtlich verärgert und fügt hinzu: „Dies bestätigt mich darin, dass Malaika alles richtig macht, wenn sie nicht voll auf die Karte Leistungssport setzt und parallel ihr Studium und ihre Ausbildung vorantreibt. Das macht es nicht einfacher, die Leistungsreserven ganz auszuschöpfen.“

Momentan steht allerdings der Sport im Vordergrund. Auch wenn die deutschen Meisterschaften dank der frühzeitigen Nominierung nicht mehr die Rolle wie zuletzt spielen, den Titel möchte Malaika natürlich trotzdem gewinnen und möglichst als deutsche Meisterin nach Berlin zur EM fahren. Auf die DM folgt ein Trainingslager in Kienbaum und von dort geht es nach Berlin. Qualifikation ist am 9. August, Finale am 11. August. Mal sehen, wie sich die „Weltklasse aus Ofdasche“ dort schlägt …