Zwei Athletinnen der LG Kurpfalz/TSG Ketsch haben den Dreisprung für sich entdeckt.
„Einfach drei Sprünge“, dachte auch ich als Laie und erkannte die Raffinesse der nicht ganz so geläufigen Disziplin in die Weitsprunggrube nicht sofort. Sieht sie doch erst einmal aus wie Weitsprung, nur dass der Athlet nach dem Anlauf zwei große Laufsprünge macht, bevor er im Sand landet. Doch genaues Hinsehen lohnt sich, denn: Der Dreisprung besteht nach dem Anlaufen aus „Hop-Step-Jump“, das bedeutet: beim ersten Sprung sind Absprung und Landung auf demselben Bein. Erst beim zweiten „Step“ erfolgt die Landung auf Bein zwei, bevor der Sprung in die Weitsprunggrube folgt. Schon ein kleiner Fehler in der Reihenfolge macht den Versuch ungültig. Es geht um die richtige Technik: Rhythmus und optimale Verteilung der Weiten sind entscheidend. Armarbeit und kurze Bodenkontaktzeiten müssen stimmen. Sportler müssen den komplexen Bewegungsablauf also perfekt koordinieren, um möglichst große Sprungweiten zu erzielen. Beim Absprung wirkt das bis zu 7- fache Körpergewicht auf das Sprungbein, deshalb benötigen Dreispringer kräftige Sehnen und Beinmuskeln und somit trotz aller Technik auch Kraft.
Anders als Weitsprung und Sprint wird der Dreisprung erst ab der Altersklasse U16 auf ausgewählten Wettkämpfen angeboten und lockt meist nicht so viele Starter wie die gängigen Disziplinen. Vielleicht liegt auch das an der kniffeligen Technik. Cara Kemptner und Sophie Salingue (beide wU18) trainieren die drei technisch herausfordernden „Hopser“ bei der TSG Ketsch und starten für die LG Kurpfalz. Da Sophie Salingue ein paar Monate älter ist als Cara Kemptner, kam die Weitsprung-Alternative für sie schon etwas früher in Betracht. Auf die Idee gebracht hat sie ihre Mutter und kurze Zeit später wurde im Training erstmalig der Dreisprung geübt. Da hat sie direkt mitgemacht. „Das hat gleich gut geklappt“, erzählt sie. Im Trainingslager der TSG Leichtathleten 2025 sah Cara Kemptner sie dann beim Training und wurde durch die begleitenden Trainer motiviert es doch auch einmal zu versuchen. „Schon nach den ersten Versuchen war ich begeistert“ und „hatte meine neue Lieblingsdisziplin gefunden“, erzählt Kemptner. Da sie zuvor schon im Weitsprung erfolgreich war, war der Dreisprung genau das richtige für sie. Sophie Salingue qualifizierte sich gleich bei ihrem ersten Wettkampf für die Baden-Württembergischen Hallenfinals 2025 und sprang dort mit 10:43 Metern auf Platz 6.Kemptners erster Wettkampf waren die Rhein-Neckar-Kreis-Meisterschaften 2025 in Walldorf. Hier wurde sie Kreismeisterin der U18 (in ihrer Altersklasse wurde die Disziplin leider nicht angeboten) und qualifizierte sich mit 10,11 Metern direkt für die Süddeutschen Meisterschaften der U16. Die Komplexität der Disziplin gefällt Cara besonders gut: „…Es ist eine Mischung aus Geschwindigkeit, Sprungkraft, Koordination und mentaler Stärke.“ erklärt sie uns. Ähnlich sieht es Sophie: „Die Mischung aus Kraft, Schnelligkeit, Technik und Stabilität“, macht für sie den Reiz aus. Ist aber wahrscheinlich auch der Grund, dass sich nicht so viele Athleten für den Dreisprung entscheiden. Leider ist auch die Verletzungsgefahr groß und hat Sophie die Teilnahme an den Süddeutschen Meisterschaften gekostet. So ist ihr besonders wichtig vetletzungsfrei durch die Saison zu gehen.Für die Sommersaison möchte Cara Kemptner ihre persönliche Bestleistung steigern, die Qualifikation für die Baden- Württembergischen Meisterschaften hat sie wahrscheinlich bereits geschafft. Und zwar bei den Badischen Hallenmeisterschaften in Mannheim im Februar 2026, hier wird sie mit 10,28 Metern 3.. Langfristig möchte sie sich technisch verbessern und regelmäßig die Qualifikation für überregionale Meisterschaften erreichen. Auch Sophie Salingue plant ihre persönliche Bestweite zu steigern und vor allem mit Spaß an die Wettkämpfe zu gehen. Bei den Meisterschaften in Mannheim landete sie direkt vor Cara auf Platz 2 mit 10,38 Metern und rechnet so ebenfalls mit weiteren Meisterschaftsteilnahmen. Trainiert wird in Ketsch immer wieder gemeinsam und auch bei Wettkämpfen unterstützen sich die beiden gerne gegenseitig und haben so in dieser eher seltenen Disziplin einen Trainingspartner im gleichen Team gefunden.Übrigens hat bereits vor mehr als 30 Jahren, nämlich im August 1995, der Brite Jonathan Edwards den „ewigen“ Weltrekord im Dreisprung mit 18,29 Metern aufgestellt. Der bis da hin 26 Jahre alte Rekord bei den Frauen wurde schon 2021 durch Yulimar Rojas mit 15,67 Metern geknackt. Das ist weiter als ein Reisebus lang ist. Wenn Sie also demnächst einen solchen an der Strasse stehen sehen, versuchen Sie es doch einmal. Anlaufen, hop, step, jump……