Die erfolgreichen Staffel-Mädels
Die erfolgreichen Staffel-Mädels

Für die einen stellen die Deutschen Meisterschaften dieses Jahr den Höhepunkt der Saison dar, für den anderen sind sie der letzte Test bevor es bei der Europameisterschaft zum internationalen Kräftemessen kommt. Letzteres trifft auf die Oftersheimer Ausnahmeathletin Malaika Mihambo zu. Mit einer persönlichen Bestleistung von 6,99m, gesprungen am Anfang dieser Saison, stehen die Chancen auf eine Medaille in Berlin gut, jedoch musste für diese Chance noch eine Leistung erbracht werden: Einen Platz unter den ersten Drei bei den Deutschen Meisterschaften.

Dieses Ziel fest im Blick, reiste Malaika gemeinsam mit ihren Trainern Ralf Weber und Sören Eisenhofer am vergangenen Wochenende nach Nürnberg, wo die nationalen Titelkämpfe ausgetragen werden sollten. Zunächst tat die 24-Jährige sich jedoch schwer, in den Wettkampf zu kommen. Mit Weiten von 6,47m bis 6,57m konnte sie zwar sicher einen Platz unter den vorläufigen Top Acht belegen und somit in das Finale einziehen, für die Spitze reichte dies jedoch noch nicht. Alexandra Wester (Köln) und Julia Gerter (Frankfurt) hatten mit Weiten jenseits der 6,60m vorgelegt, sodass Malaika, wollte sie hier gewinnen, nun unter Zugzwang war. Doch dass die Oftersheimerin mit solchen Drucksituationen umgehen kann und ihre Coolness und Erfahrung auszuspielen vermag, bewies sie in ihrem vorletzten Versuch. Mit starken 6,72m setzte sie sich verdient an die Spitze des Feldes, von wo sie auch bis zum Ende nicht mehr verdrängt wurde, sodass sie sich von nun an Deutsche Meisterin 2018 nennen darf. Die kurze Schrecksekunde nach ihrem letzten Versuch, als sie sich mit einem schmerzverzerrten Gesichtsausdruck an die Wade fasste, stellte sich im nachhinein glücklicherweise lediglich als gemeiner Krampf heraus, sodass der Mission Berlin von nun an nichts mehr im Wege steht.

Doch Malaika war nicht die einzige Starterin der LG Kurpfalz an diesem Wochenende, denn geballte Frauenpower zeigten auch Clara Wollschläger, Anne Braun, Jennifer Matern und Anna Schumacher in der 4x400m Staffel. Alle vier liefen sie in einem extrem starken Teilnehmerfeld ein herausragendes Rennen, begeisterten durch Kampfgeist und Stehvermögen, sodass sie am Ende ihre eigene Bestzeit um vier Sekunden verbesserten und in 3:48,12 min den 8. Platz belegten. Wir erinnern uns zurück: Mit dieser Zeit hätten die 16 bis 19-jährigen Mädels bei den Deutschen U23 Meisterschaften die Silbermedaille gewonnen!

Diese tollen Ergebnisse des Wochenendes zeigen, dass die LG Kurpfalz sowohl etablierte Medaillenkandidaten als auch talentierte Nachwuchsathleten in ihren Reihen hat, die sicher auch in den nächsten Wochen und Jahren weiterhin tolle Erfolge einholen werden. So werden vor den Europameisterschaften in Berlin Anne Braun, Clara Wollschläger und Kim-Lukas Koloska in den folgenden Wochen bei den Deutschen Schüler- und Jugendmeisterschaften an den Start gehen und mit tollen Aussichten auf Erfolge die Oftersheimer Fahne hochhalten.

Maike Braun

Die Badischen Einzelmeisterschaften in Schutterwald am vergangenen Wochenende standen für die Leichtathleten der LG Kurpfalz unter einem guten Stern. Insgesamt holten sie drei Medaillen und lieferten durch die Bank weg tollen Einzelleistungen ab. Allen voran sind Kim-Lukas Koloska (M15) und Sophie Knapp (W14) zu nennen. Kim-Lukas sicherte sich zuerst mit der Einstellung seiner persönlichen Bestleistung von 3,00 m die Silbermedaille im Stabhochsprung, wenig später gelang ihm gleiches über die 300m Hürden. Doch der Vizetitel war in dieser Disziplin noch nicht alles. Mit seiner Leistung von 43,40 Sekunden unterbot er die Norm für die Deutschen U16 Meisterschaften und darf sich nun im August in Bochum-Wattenscheid mit den schnellsten Läufern Deutschlands messen. Der ein Jahr jüngeren Sophie Knapp gelang im Weitsprung gar der ganz große Coup. Mit starken 5,01 m knackte sie nicht nur seit langem zum ersten mal wieder die magische fünf Meter Marke, sondern sicherte sich zugleich den Badischen Meistertitel. Im 100 m Sprint wurde sie zudem in 13,14 sek Vierte. Gemeinsam mit Greta Ziegler, Maike Deckert und Emma Volland rannte Sophie am Ende des Tages noch die 4x100m Staffel, wo die Mädels zeigte, was alles an Power in ihren Beinen steckt und in 51,83 sek den 6. Platz belegten. Maike wurde zudem tolle Vierte im Kugelstoßen mit 10,37 m, sodass die LG Kurpfalz am Ende des Wettkampftages auf sechs Spitzenplatzierungen unter den Top 6 zurückblicken darf.

Maike Braun

Für die einen waren die Badischen Meisterschaften am vergangenen Samstag in Walldorf ein Zusatz nach den Deutschen U23 Meisterschaften in der Woche zuvor, für die anderen bot der Wettkampf eine perfekte Gelegenheit, um an der Form zu feilen und einen letzten Test vorm eigenen Saisonhöhepunkt vorzunehmen.

Am erfolgreichsten verlief der Wettkampf für Luca Wagner. In der Altersklasse U20 rannte er über die 800m nach einer durch Verletzungen erschwere Vorbereitungsphase in einer neuen Bestzeit von 2:02,35 min zur Goldmedaille. Sein Teamkollege Jakob Gieser belegte in 2:11,38 min Rang fünf. Auch in der 4x400m Staffel war Luca nicht zu bremsen. Gemeinsam mit Yannik Dudda, Finn Zimmermann und Jonas Dudda schrammte das Quartett nur um eine halbe Sekunde am Titel vorbei und belegte in 3:27,84 min den Silberrang. Yannik gewann zudem kurz zuvor über die 400m in starken 50,57 sek die Bronzemedaille bei den Männern. In den Wurfdisziplinen gelang es Yannick Sturm sowohl im Kugelstoßen (13,25m) als auch im Diskus (40,54m) den 2. Platz in einer starken Konkurrenz zu belegen, ebenso Martin Erle im Speerwurf mit 58,77m. David Adlon wurde in der U20 Fünfter im Speer mit 44,46m.

Eine Woche nach ihrem erfolgreichen Auftritt bei den Deutschen U23 Meisterschaften bewies Anna Schumacher, dass sie auch über die 400m Talent besitzt. In einer neuen Bestzeit von 56,65 sek gewann sie Bronze in der Frauenkonkurrenz. Einen Platz weiter vorne landete Jennifer Matern über die 800m der U18 in einer Zeit von 2:21,14 min, fünf Plätze vor Amelie Adlon auf dem 7. Rang (2:37,32 min). Die zwei Jahre ältere Anne Braun durfte sich im Weitsprung über den 5. Platz mit einer neuen Bestleistung von 5,24m freuen. Drei Wochen vor den Deutschen Jugendmeisterschaften der Altersklassen U18/U20 testete Clara Wollschläger ein letztes Mal ihren aktuellen Leistungsstand, bevor es in die heiße Phase der Vorbereitung gehen wird. Hierfür ging sie in der U18 über die 200m an den Start und wurde in 26,71 sek sechste. Isabelle Sturm landete im Diskuswurf mit tollen 41,24m auf dem 3. Platz des Podiums, vierte wurde sie im Kugelstoßen. Gemeinsam mit Denise Grashof steigerten Anna, Clara und Jenny ihre eine Woche zuvor aufgestellte Bestzeit über die 4x400m um zwei Sekunden, sodass sie in 3:52,64 min souverän den Badischen Meistertitel gewannen und sich das Ticket für die Deutschen Meisterschaften der Aktiven in Nürnberg sicherten.

Maike Braun

Mit ihrem Sprung auf 6,99 Meter Ende Mai katapultierte sich Malaika Mihambo im Weitsprung an die Spitze der Weltjahresbestenliste. Nur die Britin Lorraine Ugen konnte diese Weite letzte Woche toppen (7,05m). Bei ihrem Sieg beim Diamond League Meeting in Lausanne (Bild) allerdings konnte Malaika mit 6,90 Metern nicht nur die Führende der Weltrangliste, sondern auch die amtierende Europameisterin und Hallenweltmeisterin, die Serbin Ivana Spanovic, hinter sich lassen.

 „Es ist zwar schön, als erste deutsche Weitspringerin ein Diamond League Meeting zu gewinnen, aber meine Ziele sind natürlich andere.“ meinte die 24jährige Oftersheimerin dazu nüchtern. „Ich möchte an die Saison 2016 anknüpfen, als ich mit dem deutschen Meistertitel, Bronze bei der EM und als Vierte bei den Olympischen Spielen mein bislang erfolgreichstes Jahr hatte.“

Die Weichen dafür sind gestellt und der Blick ist bereits auf den 22. Juli in Nürnberg gerichtet, wenn der deutsche Meistertitel vergeben wird. Der eigentliche Saisonhöhepunkt ist aber ein anderer: die Heim-EM in Berlin.

Die Norm von 6,60 Metern hat Malaika Ende Mai mit 6,99 Metern deutlich übertroffen. Letzte Woche wurde die Athletin des TSV Oftersheim vorzeitig für die Europameisterschaften nominiert. Damit sollen sich die überragenden Athleten in einer Disziplin konzentriert auf den Jahreshöhepunkt vorbereiten können und nicht den Fokus auf die davor stattfindenden deutschen Meisterschaften richten müssen, die in der Regel zuletzt über die Nominierung entschieden haben.

Für Trainer Ralf Weber war die frühzeitige Nominierung nicht überraschend: „Malaika ist seit Jahren die beste deutsche Weitspringerin, wie sie mehrfach international nachgewiesen hat. Momentan ist sie nicht nur in Europa, sondern auch in der Welt die zweitbeste Weite gesprungen. Da war das die logische Konsequenz. Leider sind nicht alle Entscheidungen des Verbandes so nachvollziehbar.“ Damit spielt Weber auf die Tatsache an, dass der Leichtathletikverband Malaika für den Zeitraum 2017/18 nicht in die höchste Förderstufe „Olympiakader“, sondern nur in den „Perspektivkader“ einstufte, angeblich wegen der DOSB-Reform. Damit einher ging eine deutliche Kürzung der finanziellen Förderung. „Malaika hat 2014 den Europacup gewonnen und landete im selben Jahr auf Platz 4 bei der EM in Zürich, erreichte dann 2015 Platz 6 bei der WM in Peking. Bei der EM 2016 in Amsterdam holte sie Bronze und wurde im selben Jahr Vierte bei den Olympischen Spielen in Rio.“ zählt der Trainer die Erfolge seines Schützlings der letzten Jahre auf. „Dann hatte sie sich im Januar 2017 ein Knochenödem zugezogen, als sie daheim von einer Treppe abrutschte. Die Saison war nach monatelanger Pause natürlich gelaufen. Trotzdem versuchte sie alles und kam immerhin noch auf beachtliche 6,62 Meter und Platz drei bei der DM. Dass der DLV sie dann am Ende des Jahres sofort im Kaderstatus abstufte, nachdem sie nur ein Jahr - nachweislich verletzungsbedingt - nicht stärker in Erscheinung treten konnte, war für mich eine herbe Enttäuschung“ erzählt Weber. „Diese Entscheidung ließ mich schon ein wenig am System und den Verantwortlichen zweifeln.“ Die Trotzreaktion ließ nicht lange auf sich warten: bereits in der Halle wurde Mali deutsche Meisterin und fünfte bei der Hallen-WM 2018 in Birmingham. Am Kaderstatus änderte der DLV aber nichts. „Die frühzeitige Nominierung heißt auch: man traut Mali einen Medaillenrang zu. Das konnte man die letzten Jahre aber auch immer, gesund musste sie dafür natürlich schon sein.“ ist Weber noch sichtlich verärgert und fügt hinzu: „Dies bestätigt mich darin, dass Malaika alles richtig macht, wenn sie nicht voll auf die Karte Leistungssport setzt und parallel ihr Studium und ihre Ausbildung vorantreibt. Das macht es nicht einfacher, die Leistungsreserven ganz auszuschöpfen.“

Momentan steht allerdings der Sport im Vordergrund. Auch wenn die deutschen Meisterschaften dank der frühzeitigen Nominierung nicht mehr die Rolle wie zuletzt spielen, den Titel möchte Malaika natürlich trotzdem gewinnen und möglichst als deutsche Meisterin nach Berlin zur EM fahren. Auf die DM folgt ein Trainingslager in Kienbaum und von dort geht es nach Berlin. Qualifikation ist am 9. August, Finale am 11. August. Mal sehen, wie sich die „Weltklasse aus Ofdasche“ dort schlägt …

Zum Saisonhöhepunkt die maximale Leistung abrufen, dieses Ziel setzen sich alle Sportler. So taten dies auch die Athleten der LG Kurpfalz bei den Deutschen U23 Meisterschaften am 30.6./01.07. in Heilbronn.

Anna Schumacher hatte über die 800m im vorhinein die besten Aussichten auf einen Platz unter den besten acht. In ihrer Paradedisziplin hatte sie sich zum Ziel gesetzt, pünktlich zum wichtigsten Wettkampf des Jahres eine neue persönliche Bestleistung aufzustellen und sich damit in dem engen Teilnehmerfeld so weit vorne wie möglich zu platzieren. Schnelle Rennen in den Vorläufen forderten bereits am ersten Tag 100% von der Oftersheimerin ein, sodass sie sich mit neuer Bestzeit für das Finale am Folgetag qualifizieren konnte. Hier wurde das Tempo von Beginn an noch höher gehalten, da die Favoritin mit dem Ziel EM-Norm unterwegs war. Doch Anna ließ sich davon nicht einschüchtern, sondern hängte sich an ihre schnellen Konkurrentinnen dran und spurtete am Ende auf einen grandiosen 7. Platz, erneut mit einer persönlichen Bestzeit von 2:10,26 min.

Nur wenige Stunden nach ihrem fulminanten Finallauf stand Anna bereits erneut an der Startlinie und zwar für die 4x400m Staffel. Gemeinsam mit Clara Wollschläger, Anne Braun und Jennifer Matern hatten sie auch in dieser Disziplin einen Platz unter den besten acht fest im Blick. Mit Clara startete das Team auch direkt stark in ihren Lauf und im Anschluss bewiesen Anne und Jenny, was an Ausdauer und Power in ihren Beinen steckt, sodass Anna am Schluss mit einer guten Ausgangsposition ins Rennen geschickt werden konnte. Trotz zwei 800m Läufen in den Beinen lief Anna eine überragende letzte Runde, sodass das Team im Gesamtergebnis aller 18 Staffeln in einer neuen Bestzeit von 3:54, 85 min siebter wurde. Auch die gleichaltrigen Jungen hatten eine Staffel über die 4x400m am Start. In der Besetzung David Adlon, Yannik Dudda, Luca Wagner und Jonas Dudda überzeugten die jungen Männer besonders mit Kampfgeist auf den letzten Metern sowie Durchsetzungsvermögen in engen Wechselsituationen, wodurch es ihnen gelang, ebenfalls eine neue Bestmarke aufzustellen und in 3:26,43 min Rang 18 zu belegen.

Isabelle Sturm komplettierte die tollen Ergebnisse des Wochenendes im Diskuswerfen. Leider konnte sie an diesem Tag nicht ihr volles Potential ausschöpfen und blieb mit 39,03 m ein wenig von ihrem persönlichen Rekord entfernt, doch wird sie als eine der jüngsten Teilnehmerinnen des Feldes in den kommenden zwei Jahren nochmals die Gelegenheit haben, ihr Können bei den Deutschen U23 Meisterschaften unter Beweis zu stellen.

Maike Braun