Weltmeistertrainer – mit diesem Titel ist Ralf Weber seit dem herausragenden Sieg seiner Athletin Malaika Mihambo bei der WM in Doha bereits geschmückt. Am vergangenen Dienstag kam darüber hinaus noch ein weiterer hinzu: Im Rahmen der alljährlichen Spitzensporttagung des Deutschen Leichtathletik-Verbands (DLV) wurde er für seine herausragende Arbeit als „DLV-Trainer des Jahres“ ausgezeichnet.

In seiner Laudatio lobte der Weitsprung-Bundestrainer der Frauen, Ulrich Knapp, die tolle Zusammenarbeit mit Ralf Weber. Dabei betonte er, dass es vor allem die Wissbegierde und das stetige Austüfteln neuer Trainingsmethoden seien, welche den Oftersheimer zu einem Weltklasse-Trainer machen.

Die besondere Erfolgsgeschichte von Ralf Weber und Malaika Mihambo basiert auf einer nunmehr 15-jährigen Zusammenarbeit, welche noch heute die Grundlage für die großen Erfolge der Weitspringerin bildet. Seit Malaika im Schüleralter ist sind die beiden ein Team und verkörpern somit das, was im Leistungssport eine so zentrale Rolle spielt: Hinter jedem erfolgreichen Sportler steht immer ein engagierter Trainer.

Maike Braun

Ralf Weber (links) mit seinem Trainerkollegen Sören Eisenhofer bei der WM in Doha (Bild: M. Lauff)

Den Blick starr nach vorne gerichtet steht Malaika Mihambo an ihrer Ablaufmarkierung und atmet noch einmal tief ein und aus. Die Anspannung vor diesem so wichtigen dritten Sprung ist ihr deutlich anzusehen, liegt sie im Finale der Weltmeisterschaften in Doha nach zwei Durchgängen mit 6,52m doch lediglich auf dem 7. Platz. Was war passiert? „Beim ersten Versuch war ich zu nervös“, beschreibt die Weitspringerin im Nachhinein die Situation. Dadurch habe der Anlauf nicht optimal gepasst, so dass sie viel zu weit vor dem Brett abgesprungen war und somit rund einen halben Meter verschenkt hatte.

Wenngleich die 6,52m zwar keine zufriedenstellende Weite für die Weltranglistenerste aus Oftersheim waren, blieben ihr zu diesem Zeitpunkt immerhin weitere zwei Versuche, um sich für die Endrunde der besten Acht und somit für weitere drei Durchgänge zu qualifizieren. Nachdem sie jedoch im darauffolgende Versuch das Brett übertreten und somit den Sprung ungültig gemacht hatte, war klar: Der Dritte muss passen!

In diesem heiklen Moment spielte Malaikas Trainer Ralf Weber eine Schlüsselrolle. Mit seiner ruhigen Art vermittelte er seinem Schützling, sie solle „locker bleiben“. Alles, was nun zähle, sei ein solider gültiger Versuch zur Absicherung. So stand sie wenige Augenblicke später hoch konzentriert und fokussiert am Anlauf, klatschte sich mit beiden Händen auf Arme und Oberschenkel und animierte das Publikum zu rhythmischem Klatschen. „Komm schon“, sagte sie zu sich und sprintete los.

Als sie in der Grube gelandet war, ging ein Jubel durch das Khalifa International Stadium in Doha. Der Sprung war gültig – und er war weit! Sagenhafte 7,30m leuchteten auf der Anzeigetafel auf, was nicht nur die Führung, sondern laut Weber auch mit großer Wahrscheinlichkeit den Titel bedeutete. Er sollte Recht behalten. Nach zwei weiteren herausragenden Versuchen auf 7,09m und 7,16m untermauerte die 25-Jährige abermals ihre Form und verwies die anderen Athletinnen auf ihre Plätze, gelang es doch keiner anderen Springerin, eine Weite jenseits der sieben Meter anzubieten. So heißt die neue Weltmeisterin im Weitsprung von nun an Malaika Mihambo.

„Die 7,30m sind einfach wow“, sagte die 25-jährige Ausnahmeathletin später in einem Fernseh-Interview und fügte hinzu: „ Das war mein bisher bester Wettkampf.“ Für diesen wurde Malaika noch am selben Abend bei der Siegerehrung mit der Goldmedaille belohnt, auf welcher in akkuraten Lettern ihr Name eingraviert ist.

Und was macht eine frisch gebackene Weltmeisterin nun nach all dem Trubel und Nervenkitzel der letzten Tage und Wochen? Sie geht für vier Wochen in den wohlverdienten Urlaub nach Thailand, wo sie sich von der langen Saison erholen und neue Energie für das kommende Olympiajahr sammeln möchte. Denn schließlich möchte sie in Tokio an diesen Erfolg anknüpfen und sowohl im Weitsprung als auch im Sprint ihre persönliche Bestleistung weiter steigern. „Jetzt heißt es einfach gesund bleiben und für die nächste Saison gut trainieren“, sagte sie mit einem noch immer strahlenden Lächeln.

Maike Braun

Bild: Markus Lauff

Dass das Berliner Olympiastadion zu den liebsten Wettkampfstätten von Malaika Mihambo gehört, ist spätestens seit den Europameisterschaften und den diesjährigen Deutschen Meisterschaften klar. Umso größer war ihre Vorfreude, beim vorletzten Test für die Weltmeisterschaften in Doha nochmal auf die blaue Bahn zurückzukehren und bei ISTAF-Meeting zu starten. Das Teilnehmerfeld im Weitsprung der Frauen lies dabei mit prominenter Meldungen auf einen spannenden Wettbewerb hoffen, waren doch mit der Serbin Ivana Spanovic oder der Weißrussin Nastassia Mironchyk-Ivanova neben Malaika noch einige weitere namenhafte Athletinnen am Start.

Dazu motiviert, jeden Sprung zu nutzen und technisch so sauber wie möglich zu gestalten, wirkte Malaika bereits im ersten Durchgang sehr fokussiert; den Blick fest in Richtung Grube gerichtet. Doch leider passt der Anlauf noch nicht optimal, sodass sie mit einem Absprung vor dem Brett viele Zentimeter verschenkte und sich zunächst mit einer Weite von 6,60m zufriedengeben musste. Nach kleineren Korrekturen durch ihren Trainer Ralf Weber passte beim zweiten Sprung schließlich wieder alles und Malaika schraubte ihre Tagesbestweite auf 6,99m nach oben. Mit dieser Leistung setzte sie sich deutlich an die Spitze des Feldes und beendete an dieser Stelle den Wettbewerb, um Körner für das anstehende Diamond League Finale in Brüssel zu sparen, sodass ihre Konkurrentinnen nur noch die Plätze zwei und drei unter sich auszumachen hatten. Hier war es die Russin Yelena Sokolova, die mit zweimal gesprungenen 6,65m schlussendlich auf dem 2. Rang landete und somit die Weißrussin Nastassia Mironchyk-Ivanova (6,63m) auf den 3. Platz verwies. Zur Überraschung der Zuschauer präsentierte sich die gewohnt starke Serbin Ivana Spanovic an diesem Tag in keiner überzeugenden Form (6,57m) und musste ihren letzten Versuch gar mit schmerzverzerrtem Gesicht abbrechen.

Von dieser souveränen Vorstellung beflügelt  geht es nun am Freitag, den 06. September für Malaika beim Diamond League Finale in Brüssel um den Gesamtsieg der mit 50.00 Dollar dotierten Wettkampfserie. Dies wird zugleich auch der letzte Wettkampf vor Doha sein, bevor es in eine abschließende letzte Trainingsphase geht.

Maike Braun

Bild: M.Merkel

Es war eines dieser sprichwörtlichen Wimpernschlag-Finals. Nur um einen Hauch von 15 Punkten lag die kurpfälzer Mannschaft der weiblichen Jugend U14 (6.718 P.) am vergangenen Wochenende bei den Badischen Mannschaftsmeisterschaften vor ihren Konkurrentinnen von der LG Region Karlsruhe (6.693 P.) und sicherten sich mit dieser herausragenden Leistung den Titel Badischer Mannschaftsmeister 2019. Neben geballter Sprint-Power über die 75m, im 60m Hürdenlauf sowie in der Staffel trumpften die Mädels zudem mit Topwerten im Weitsprung und Ballwurf auf, indem jede Athletin über sich hinauswuchs und ihr bestmögliches Leistungspotenzial abrief. Im abschließenden 800m Lauf gaben die Mädchen schließlich alles, um sich den Titel zu sichern, weshalb die Freude umso größer war, als der Stadionsprecher am Ende des Wettkampftages Lara Scheel, Sarah Luise Becker, Maren Rohrer, Hanna Brenner, Angelina Georg, Maya Henrich, Sophie Borlinghaus, Katharina Ecker, Charlotte Trapp, Giulia Hörauf und Rebecca Federer tatsächlich als Siegerinnen unter großem Applaus aufrief und die junge Mannschaft den Platz ganz oben auf dem Podium einnehmen durfte.

Eben jeden Platz auf dem Siegertreppchen verpasste die weibliche Jugend U16 der LG Kurpfalz leider knapp. Zwar trumpfte die Mannschaft –  bestehend aus Sarah Meiser, Sophie Knapp, Greta Ziegler, Eva Heimburger, Tatjana und Tabea Hoffmann, Smilla von Duhn, Chiara Schollmeyer, Anna Berner und Paula Hustede – in einzelnen Disziplinen wie der Staffel, den Hürden oder dem Weitsprung auf, konnte jedoch leider nicht in den Kampf um die vorderen Plätze eingreifen. Im Endresultat belegte das Team dennoch einen guten 4. Platz mit insgesamt 7.466 Punkten.

In der männlichen Jugend waren gleich drei Mannschaften der LG Kurpfalz am Start. Hier sind zunächst die jüngsten Athleten des Tages zu nennen, die in der Altersklasse U12 antraten. In der Aufstellung Linus Tornow, Finn Lejoly, Fabio Jäger, Ayk Nikolay, Moritz Wiegand, Jonas Luther, Ben Tauchert, Hendrik Schaub und Bennit Weber hielten sich die Jungs in allen Disziplinen stets im vorderen Mittelfeld auf und schafften es sogar, zwei der besten Hochspringer des Tages zu stellen, sodass sie am Ende mit 4.048 Punkten einen guten 5. Rang belegten.

Eine Altersklasse und zugleich auch einen Platz im Gesamtresultat darüber lagen die Athleten der männlichen Jugend U14. 3.237 Punkte reichten für Georgi Hristov, Moritz Braun, Leander Georg, Lars Gollnick und Fabian Spahr zu einem tollen 4. Platz, welchen sie sich besonders durch starke Ergebnisse im Weitsprung und Staffellauf erkämpften. Die Leistungen der Jungs ist umso höher einzustufen, beachtet man die Tatsache, dass sie sich aufgrund ihrer kleinen Mannschaftsgröße in keiner Disziplin einen Patzer hätten erlauben dürfen, da dies nur schwer an anderer Stelle hätte kompensiert werden können.

Abgerundet wurde das letzte große Wettkampfwochenende der Saison schließlich durch die Jungen der U16. Trotz toller Einzelleistungen konnte das Team aufgrund starker Konkurrenz leider nicht in den Kampf um die Medaillen eingreifen und musste sich am Ende mit 4.371 Punkten und dem 8. Platz zufriedengeben. Gemeinsam hatten Kevin Schneider, Levente Mihalyi, Yannick Schaub, Béla Keitel und Jan Kula dennoch eine Menge Spaß an diesem Team-Event, indem sie Motivation für die kommende Saison sammelten und als Mannschaft noch enger zusammenwuchsen.

Maike Braun

v.l. Trainerin Christine Braun, Lara Scheel, Trainerin Anne Braun, Angelina Georg, Maya Henrich, Katharina Ecker, Hanna Brenner, Charlotte Trapp, Rebecca Federer, Maren Rohrer, Sophie Borlinghaus, Giulia Hörauf, Sarah Becker und Trainer Sven Stumpf

Es war wie ein kleines Déjà-vu als die Oftersheimer Nachwuchsleichtathletin Anne Braun am Wochenende des 17./18. August am Ulmer Donaustadion ankam und sich die Laufschuhe vor dem Aufwärmen schnürte. Drei Wochen zuvor war sie an gleicher Stelle bei den Deutschen Jugendmeisterschaften Neunte über die 400m Hürden geworden; nun war sie erneut zu einem nationalen Kräftemessen angetreten, jedoch diesmal im Siebenkampf der weiblichen Jugend U20. Dass Anne sich für diesen Wettkampf qualifiziert hat, obwohl ihr Trainingsschwerpunkt klar auf den Langhürden liegt, unterstreicht dabei eindrucksvoll die Vielseitigkeit und das Talent der 19-Jährigen. Kurz vor dem Start sagte sie: „Mein Ziel ist es, einen Platz unter den ersten Zwanzig zu belegen“, was in Anbetracht ihrer Meldeplatzierung als 24. ein durchaus realistisches Ziel darstellte.

Ganz traditionell startete der Wettbewerb am Samstagmittag mit den 100m Hürden. Dank ihrer hervorragenden Hürdentechnik konnte die Athletin vom TSV Oftersheim mit einer Zeit von 15,49 sek gleich zu Beginn wichtige Punkte einheimsen und mit einem guten Gefühl in den darauffolgenden Hochsprung gehen. Hier machte sich die fehlende Praxis leider ein wenig bemerkbar und so musste sie sich mit übersprungenen 1,53m zufrieden geben, womit sie 7cm unter ihrer eigenen Bestleistung lag. Das Tolle am Mehrkampf ist jedoch, dass man eine Wackeldisziplin stets gut mit einer anderen ausgleichen kann, was Anne beim anschließenden Kugelstoßen auch tat. In gleich mehreren Versuchen knackte sie die 10m-Marke, wobei der weiteste Stoß bei 10,29m lag. Kurz vor den 200m gab es schließlich eine kleine Schrecksekunde: Der Hüftbeuger machte Probleme. Was nun? Aufgeben? Das kam für Anne nicht in Frage! Und tatsächlich konnte sie dank einer schnellen und exzellenten Behandlung durch die Physiotherapeutin des baden-württembergischen Leichtathletikverbandes schließlich an den 200m Start gehen und ein grandioses Rennen auf die Bahn zaubern. Als Siegerin ihres Laufes überquerte sie in einer neuen persönlichen Bestzeit von 26,91 sek die Ziellinie und lag am Ende des ersten Tages somit auf Kurs Top 20.

Am nächsten Morgen war beim Weitsprung wieder von Beginn an volle Konzentration und Kraft gefordert. Mit dem festen Ziel, heute über 5m zu springen, legte Anne 100% in jeden Versuch, doch leider wurde ihre Leidenschaft nicht belohnt und sie musste sich mit einer Weite von 4,96m zufriedengeben. Die Sprungdisziplinen sollten an diesem Wochenende wohl nicht ganz nach Plan klappen. Umso erfreulicher war es, als Anne im darauffolgenden Speerwurf eine neue persönliche Bestleistung aufstellte und mit 29,25m die 30m-Marke nur knapp verfehlte. Danach stand schließlich nur noch der 800m-Lauf auf dem Programm. Mit dem Wissen, dass dies wohl eine ihrer stärksten Disziplinen ist, ging Anne das Rennen mutig an und hielt stets Kontakt zur Spitzengruppe. Auf den letzten 200m packte sie nochmal einen fulminanten Endspurt aus und erkämpfte sich eine Zeit von 2:29,45 min. „Das war alles in allem ein toller Siebenkampf. Ich bin sehr zufrieden“, sagte die Oftersheimerin nach der letzten Disziplin. Mit 4.410 Punkten landete sie im Gesamtergebnis auf einem hervorragenden 16. Platz und schrammte somit nur um 25 Punkte an ihrem persönlichen Rekord vorbei.

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Anne Braun (Mitte) mit ihren Trainern Silke Hildenbrand und Lucas Epperlein